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Allgemein: Wenn eine Pflanze wächst oder wenn sie Knospen treibt, dann braucht sie auch Wasser, und zwar umso mehr Wasser, je schneller sie wächst. Das gilt auch für den Winter, falls die Pflanze hell und warm steht, wie bei Winterblühern (z.B. Mammillaria plumosa) notwendig. Je wärmer der Standort der Pflanzen ist, desto mehr Wasser benötigen sie, denn bei größerer Wärme ist die Verdunstung ebenfalls größer, und je kälter es im Herbst wird, desto weniger darf gegossen werden.
Abhängigkeit von der Temperatur: Bei Temperaturen unter 10-15 °C verarbeiten die Kakteen die Feuchtigkeit nicht mehr. Wenn die Temperatur ständig unter dieser Schwelle bleibt, sollte die überwiegende Zahl der Kakteen überhaupt nicht mehr gegossen werden. Bei sehr hohen sommerlichen Temperaturen ist zu beobachten, daß viele Gattungen in eine Trockenruhe übergehen und ebenfalls nicht mehr gegossen werden sollten. Diese Pflanzen stellen ihr Wachstum ein, die naturbedingt ist, weil es den Bedingungen am heimatlichen Standort entspricht. Hierbei ist die Gattung Rebutia als markanter Vertreter zu nennen, wo man ab etwa Mitte Juli bis Mitte August die Wassergaben einstellt und erst nach diesem Zeitrum, bis zum Beginn Ruhezeit (etwa Mitte/Ende Oktober), wieder gießt. Grundsätzlich gilt in der Wachstumszeit die Regel, daß es viel gefährlicher ist, zu viel zu gießen als zu wenig. In unseren Breiten ist das Gießverhalten sehr von der Witterung abhängig. Bei sonnigen und trockenen Perioden gießt man die meisten Gattungen entsprechend häufiger (etwa 1 Mal wöchentlich), als an trüben und regenreichen Tagen. Bei der Gattung Ariocarpus sollten die Wassergaben generell sehr sparsam sein (etwa 1 Mal monatlich). Gießt man seine Pflanzen zur falschen Tageszeit, während der Mittagshitze, können die Pflanzenkörper der Länge nach aufplatzen. Hierbei empfiehlt es sich, die Wassergaben in die Abendstunden zu verlegen. Die Pflanzen haben in der darauf folgenden Nacht die Möglichkeit, die Feuchtigkeit aufzunehmen, bevor am nächsten Tag der Verdunstungsprozess einsetzt und das Substrat wieder austrocknet. Bei zu häufigen und zu intensiven Wassergaben werden Fäulnis und Pilzbildung die Pflanzen vernichten. Man sollte also individuell gießen und ein Gefühl bekommen, wann sie Wasser brauchen.
Gießregeln: Zusammenfassend gibt es kein allgemeines Rezept, wie viel Wasser eine Pflanze der jeweiligen Gattung benötigt, denn die Verhältnisse, unter denen die Pflanzen in den einzelnen Sammlungen gehalten werden, sind zu verschieden. So gibt es Gegenden, wo eine höhere Luftfeuchtigkeit herrscht, als in anderen Gegenden. Entsprechend langsamer erfolgt die Verdunstung des Gießwassers aus dem Substrat. Ähnlich verhält sich das auch bei der Fensterbrettkultur, wo durch die stärkere Erhitzung und wesentlich niedrigerer Luftfeuchtigkeit im Zimmer, eine stärkere Verdunstung begünstigt, als in einem größeren Gewächshaus. Durch geöffnete Fenster und gleichzeitiger nächtliche Zunahme der Luftfeuchtigkeit, erreicht man hier andere klimatischen Bedingungen, die sich wiederum auf die Verdunstung und damit auch den Wasserbedarf der Kakteen auswirken. So lange ein Topf feucht ist, sollte in keinem Fall wieder gegossen werden, sondern erst wenn er mehrere Tage trocken stand, da in der Tiefe immer noch Feuchtigkeit vorhanden ist. Auf keinen Fall sollten Kakteen täglich ein Bisschen, sondern in größeren Abständen, dann aber gründlicher, gegossen werden. Im Allgemeinen kann man feststellen, daß eine gleichmäßige leichte Bodenfeuchtigkeit in der Tiefe während der Wachstumsperiode den meisten Kakteen am besten zusagt. Bei Epiphyten sollte die Erde nie austrocknen und Cereen haben einen höheren Wasserbedarf, als Kugelformen, weil sie eine wesentlich größere Verdunstungsoberfläche besitzen. Es sollte darauf geachtet werden, das Substrat zu gießen und nicht die Pflanze. Insbesondere der Scheitelbereich ist hierbei sehr empfindlich, da das Wasser nicht die Möglichkeit hat abzulaufen und dieser Umstand daher zu Fäulnis führt. Zum Gießen sollte möglichst abgestandenes und temperiertes Wasser genutzt werden. Bei zu kaltem Wasser können empfindliche Pflanzen zum Verkorken und Pilzbefall neigen. Kakteen sollten nicht zu nass in eine Schlechtwetterperiode hineingehen, da hierbei wesentlich weniger Wasser durch die Verdunstung verbraucht wird und damit die Pflanzen eine relativ lange Zeit in nassem Substrat stehen.
Jahreszeitlicher Ablauf: Nach der winterlichen Ruhezeit, etwa März-April, sollte das Substrat leicht angefeuchtet werden. Das erreicht man durch vorsichtiges und sparsames Gießen, Nebeln oder vorsichtigen Sprühen. Letzteres ist aber nur an warmen Frühlingstagen (ab 15 °C) ratsam und sollte rechtzeitig durchgeführt werden, damit der Pflanzenkörper bis zum Abend wieder abgetrocknet ist. Aus diesen Wassergaben bilden die Kakteen rasch neue Saugwurzeln und können dann ab April/Mai kräftiger gegossen werden. Von etwa Mitte Juli bis Mitte August beginnt bei vielen Kakteen die schon erwähnte Trockenruhe. Ab etwa Mitte August bis Mitte September kann nochmals ausreichend gegossen werden, da bei vielen Pflanzen ein nochmaliger Wachstumsschub einsetzt. Danach sollten man die Wassergaben langsam reduzieren. Ab etwa Mitte Oktober sollten das Gießen eingestellt werden.
Das richtige Gießwasser: Grundsätzlich sollte das Gießwasser für die Kakteen nicht zu hart sein und sauer reagieren. Das optimale Wasser bietet uns hierbei die Natur mit dem Regenwasser. In Großstädten und Industriegebieten sollte Regenwasser nur bei länger anhaltendem, kräftigen Regen verwendet werden. Bei kurzen Schauern ist das Wasser, vor allem nach längerer Trockenheit, durch Schmutz und Industriestaub verunreinigt. Leitungswasser ist nur bedingt empfehlenswert, da Calcium- und Magnesiumverbindungen auf Dauer schwer lösliche Kalkverbindungen im Substrat bilden. Dadurch sterben Wurzeln ab und die Pflanzen werden unweigerlich eingehen. Bei leichten und mittleren Härtegraden kann durch Zugabe von Oxalsäure in das Gießwasser (nicht umgekehrt!) dieses Problem umgangen werden. Ab 10°dH (dH = deutsche Härte) muss das Gießwasser enthärtet werden. Zur Bestimmung des Härtegrades erkundigt man sich beim zuständigen Wasserversorger. Als Dosierung zum Enthärten wählt man die Faustformel zum Absenken pro 1°dH benötigt man 0,0225g reine Oxalsäure. Beachten Sie hierbei auch unbedingt die Sicherheitsbestimmungen zum Umgang mit Oxalsäure. Man lässt dieses Gemisch eine Nacht stehen, damit das Calziumoxalat ausfällt und sich somit am Boden ablagert. Nun kann das enthärtete Gießwasser genutzt werden. Fragen Sie nach Oxalsäure in Apotheken und Drogerien. Ein anderer Faktor, der überprüft werden sollte ist der pH-Wert. Je höher der Wert, um so alkalischer das Wasser. Zuerst muss der pH-Wert des Leitungswassers festgestellt werden. Hierbei wird Indikatorpapier kurz in das Wasser gehalten und die Färbung mit der beiliegenden Farbskala verglichen. Ohne viel Aufwand können Sie sich die aktuellen Ergebnisse der Wassertest bei Ihrem zuständigen Wasserversorger anschauen und somit den aktuellen pH-Wert ermitteln. Wenn nötig, wird das Wasser mit Essig- oder Zitronensäure angereichert, bis ein pH-Wert von 5 bis 6 erreicht ist.