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Allgemein: Kakteen werden aus sehr unterschiedlichen Gründen gepfropft. Durch das Aufsetzen von schwachwüchsigen Kakteen auf eine wüchsige Unterlage kann das Wachstum beschleunigt werden. Auf hohe Unterlagen wachsen manche Kakteen doppelt bis zehnmal so schnell, wie auf eigener Wurzeln. Durch das Pfropfen können Kakteen auch schon um Jahre früher zur Blühreife gebracht werden. Dies wird beispielsweise bei der Kakteenhybridenzüchtung angewendet, wo man bestrebt ist, möglichst früh die Blüten der Kreuzungen zu sehen. In den letzten Jahren in Mode gekommen ist der im Volksmund bezeichnete "Erdbeerkaktus". Wegen einer Ausfallmutation fehlt diesen Pflanzen das Chlorophyll (Blattgrün). Sie wären auf eigener Wurzel nicht überlebensfähig. Hierbei wird der rote Pflanzenkörper von Gymnocalycium mihanovichii var. friedrichii auf einer grünen Unterlage gepfropft. Auch Kammformen oder Cristaten von Kakteen lassen sich längerfristig meist als Pfropfungen leichter pflegen. Warum werden dann nicht alle schwer zu pflegenden Kakteen gepfropft? Oftmals entscheidet hierbei auch die Ästhetik. Gepfropfte Pflanzen sehen auf einer Unterlage eben schlechter aus, als wurzelechte Pflanzen. Ein großer Nachteil in der Pfropfung besteht auch darin, daß die gepropften Pflanzen im Aussehen stark verändert sind. So wirken aufgepfropfte Pflanzen mastig, weniger bedornt und grüner. Der erfahrene Kakteenfreund kann die Pfropfung aber gezielt einsetzen und somit eine wertvolle Hilfe für die Kakteenkultur sein.
Pfropfunterlagen: Als Pfropfunterlage sind raschwüchsige und unempfindliche Kakteenarten zu verwenden. Hierbei eignen sich bewurzelte Seitensprosse von Echinopsis-Hybriden, die in den meisten Sammlungen reich vertreten sind, ausgezeichnet für Tiefpfropfungen. Sie bieten den Vorteil, daß man sie nicht oder zumindest kaum sieht. Allerdings sprossen diese Unterlagen meist reichlich. Für Hochpfropfungen eignen sich eine ganze Reihe von hervorragenden Unterlagen. Besonders bewährt haben sich: Eriocereus jusbertii, Eriocereus bonplandii, Trichocereus pachanoi, Trichocereus macrogonus, Trichocereus bridgesii, Trichocereus candicans, Trichocereus spachianus, Trichocereus fulvilanus, Cereus peruvianus, Cereus jamacaru und andere. Diese genannten Unterlagen lassen sich auch ausgezeichnet als Jungpflanzen für die Sämlingspfropfung verwenden. Darüber hinaus eignen sich für Sämlinge: Hylocereus trigonus, Hylocereus undatus, Hylocereus guatemalensis, Pereskiopsis velutina, Pereskiopsis gatesii, Selenicereus grandiflorus und Selenicereus pteranthus. Als Unterlagen für Christatenpfropfungen wählt man Trichocereus oder Cereus mit mindestens einer Höhe von 1 m, auf denen sich die Christatenformen so richtig schön entfalten können. Für Spalt- oder Schlitzpfropfungen wählt man flache Triebe, wie zum Beispiel von Schlumbergera truncata. Für Spaltpropfungen bieten Pereskiopsis velutina und Pereskiopsis gatesii sowie Eriocereus jusbertii und Eriocereus bonplandii beste Voraussetzungen. Für eine Schlitzpfropfung verwendet man Opuntia tomentosa, Opuntia orbiculata und Opuntia basilaris. Allgemein gilt, daß die Unterlagen gut bewurzelt und im Trieb sind.
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Pfropftechniken
Als Zeitpunkt des Pfropfens ist die Wachstumszeit an geeignetsten. Die zur Pfropfung benutzte Unterlage sollte prallsaftig und gut im Trieb sein, womit als Zeitpunkt die Monate Mai bis August in Frage kommen. Bevor man mit der eigentlichen Pfropfarbeit beginnt, legt man sich zunächst alle notwendigen Utensilien bereit. Man benötigt ein sehr scharfes Messer, eine Rasierklinge (Cuttmesser eignen sich auch), etwas reinen Alkohol, Gummiringe und je nach Pfropfmethode kräftige Kakteendornen.
Flachpfropfung: Ungefähr 2 bis 3 cm unter der Triebspitze schneidet man mit einem ziehenden Schnitt die Unterlage waagerecht ab. Das Gewebe darf noch nicht verhärtet sein. Wichtig ist, daß das Messer nicht nur extrem sauber, sondern auch sehr scharf sein muß. Das junge Gewebe darf bei diesen Schnittarbeiten nicht gequetscht werden. Die Kanten der Unterlage werden von der Mitte nach außen leicht abgeschrägt. Anschließend schneidet man den für die Pfropfung vorgesehenen Pfröpfling ebenfalls waagerecht durch und schrägt ihn, wenn es erforderlich ist, wie die Unterlage leicht ab. Somit verstärkt sich der Anpressdruck auf die zur Verfügung stehende Restfäche. Aber nur Pfröpflinge größerer Exemplare werden abgeschrägt. Die beiden Schnittflächen dürfen keinesfalls abtrocknen oder gar
verschmutzen. Man muss daher sehr zügig arbeiten. Nach jedem Schnitt reinigt man das Messer mit einem sauberen, in Alkohol getränkten Tuch. Der Pfröpfling wird unmittelbar so auf die Unterlage gesetzt, daß die Leitbündel möglichst genau übereinander sitzen.
Durch leichtes Drehen und Schieben auf der Unterlage werden eventuelle Luftblasen zwischen den beiden Schnittflächen herausgedrückt. In dieser Position wird der Pfröpfling nun fixiert. Man spannt zwei dünne Gummiringe kreuzweise nacheinander von oben über den Pfröpfling und zieht sie unter den Topf durch, um für den notwendigen Druck zu sorgen, ohne den Pfröpfling zu quetschen. Die frische Pfropfung stellt man warm und hell, aber nicht in die pralle Sonne. Auch sollte man nicht nebeln oder sprühen, dafür aber das Substrat der Unterlage feucht halten. Nach 2 Wochen können die Gummiringe vorsichtig entfernt werden. Der Pfröpfling wird innerhalb von 3-4 Wochen durch frisches Wachstum beweisen, ob die Pfropfung gelungen ist.
Sämlingspfropfung: Man verwendet dafür 3-10 mm große Sämlinge, die sich leicht auf wüchsige Unterlagen pfropfen lassen. Dazu schneidet man mit einer Rasierklinge vorsichtig mit einem ziehenden Schnitt das untere Drittel des Sämlings ab. Da Sämlinge noch sehr weich sind, können sie leicht zerdrückt werden. Das abgetrennte Oberteil setzt man nun auf die vorbereitete Unterlage. Der Pfröpfling wird so aus dem Mittelpunkt verschoben, daß sich die deutlich sichtbaren Leitbündel auch sicher überschneiden. Bei sehr kleinen Sämlingen erübrigt
sich oft eine Befestigung, weil der klebrige Pflanzensaft beide Teile zusammenhält. Sicherer ist ein leichter Druck von oben mit Hilfe einer entsprechenden Vorrichtung. Hierbei eignen sich schmale Glas- oder Plastikstreifen, die in gleicher Höhe waagerecht auf den Sämling aufgelegt werden und nach etwa 2-3 Wochen wieder entfernt werden. Zur Sämlingspfropfung sollte man die frühen Morgenstunden nutzen. Zunächst schützt man die frische Pfropfung vor starker Sonneneinstrahlung. Auch hier sollten die Schnittflächen nicht übersprüht werden.
Anplattpfropfung: Eine weitere Variante ist das seitliche Anplatten, das besonders bei dünntriebigen Kakteen, wie beispielsweise Wilcoxia poselgeri und Aporocactus praktiziert wird. Aber auch für überhängende Kakteen, wie Hildewintera aureispina, eignet sich diese Pfropfungsmethode. Unterlage und Pfröpfling werden in einem Winkel von 45 ° geschnitten.
Man setzt dann den Pfröpfling so auf die Unterlage, daß sich die Leitbündel möglichst oft überdecken. Zur Fixierung der Pfropfung verwendet man zum Beispiel kräftige Dornen, die nicht mehr entfernt werden müssen, sondern mit der Pflanze verwachsen. Als Unterlage eignen sich besonders Trichocereus, Cereus, Selenicereus und Opuntia.
Spaltpfropfung: Besonders eignet sich diese Methode für Schlumbergera, Pereskiopsis, Selenicereus und ähnliche dünntriebige Arten. Nach dem waagerechten Schnitt der frischen Triebspitzen, schneidet man in die Unterlage von oben nach unten einen etwa 1 cm tiefen, schmalen, keilförmigen Spalt. Der Keil wird noch nicht herausgenommen, damit der Schnitt nicht antrocknet. Anschließend wird ein frisches Segment von beispielsweise Schlumbergera mit einer scharfen Rasierklinge unten beidseitig etwa 1 cm angeschnitten und nach dem
Entfernen des Keils aus der Unterlage in den verbleibenden Spalt eingepasst. Auch bei dieser Pfropfung ist es wichtig, daß die freigelegten Leitbündel sich gegenseitig berühren müssen, wenn die Pfropfung gelingen soll. Die Pfropfung wird nun mit einem sauberen Kakteendorn fixiert oder mit einer Wäscheklammer so zusammengepresst, daß der Pfröpfling nicht heraus rutscht.
Schlitzpfropfung: Eine Methode, die sich ebenfalls gut für Schlumbergera und ähnliche Arten eignet. Man schneidet in der Nähe der Triebspitzen seitlich von oben nach unten einen tiefen Schlitz in die Unterlage, der diese aber nicht durchtrennen darf. Auch hier nimmt man beispielsweise ein Segment von Schlumbergera, das beidseitig mit einer scharfen Rasierklinge unten angeschnitten wird und dann so tief in den geschnittenen Schlitz steckt, daß sich die Leitbündel berühren. Auch hier kann ein sauberer Dorn zur Fixierung dienen.
Warzenpfropfung: Sie unterscheidet sich von der Pfropftechnik nicht wesentlich von der Sämlingspfrofung. Lediglich der zu vermehrenden Pflanze wurde eine Warze entnommen und auf Pereskiopsis gesetzt. In der Hoffnung dass an der Warze nach einiger Zeit ein Austrieb erfolgt, um so in den Besitz einer weiteren geklonten Pflanze zu gelangen. In der Abbildung ist die Pfropfung einer Warze von Escobaria abdita erfolgreich.
Literaturquelle: Elisabeth Manke - Das BLV Kakteen Buch BLV-Verlag
Kakteengattungen
Pfropfen - Die Veredelungstechniken
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